Die Schilddrüse (medizinisch Glandula thyroidea) ist die größte hormonproduzierende Drüse des menschlichen Körpers. Sie befindet sich schmetterlingsförmig vor der Luftröhre und unterhalb des Kehlkopfes. Unter Verwendung von Jod bildet die Schilddrüse Hormone, die Auswirkungen auf sämtliche Stoffwechselvorgänge und die Organprozesse haben. Sie steuern außerdem das Körperwachstum bei Kindern und beeinflussen die psychische Verfassung. Zu den häufigsten Ursachen einer krankhaften Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) zählt mit ca. 65-75 Prozent der Morbus Basedow (Autoimmunerkrankung der Schilddrüse), für den die Glanzaugen typisch sind. Aber auch erbliche Enzymdefekte können die Jodbindung in den Schilddrüsenhormonen verhindern. Schilddrüsenerkrankungen kommen sehr häufig vor und solche, die mit einer Überfunktion einhergehen, nehmen mit dem Alter zu.
Schilddrüsenüberfunktion - die Symptome sind variantenreich
Die Schilddrüse hat im wesentlichen die Funktion, anorganisches Jod zu speichern und jodhaltige Schilddrüsenhormone (Thyroxin) zu bilden. Die bedarfsgerechte Ausschüttung der Schilddrüsenhormone wird in einem Regelkreis, unter Einbeziehung des Gehirns, gesteuert. Eine krankhaft gesteigerte Produktion und Ausschüttung der Schilddrüsenhormone führt zu einem übersteigerten Stoffwechsel (Hypermetabolismus). Ein höherer Sauerstoffverbrauch im Gewebe bewirkt einen erhöhten Grundumsatz und damit schnellen Gewichtsverlust bei gleichzeitigem Heißhunger. Außerdem gibt es Auswirkungen auf den Proteinstoffwechsel und den Fettstoffwechsel. Die Schilddrüsenüberfunktion Symptome bzw. Anzeichen können, besonders bei älteren Patienten („Altershyperthyreose“), sehr verschiedenartig sein. Meist zeigt sich eine psychisch-motorische Unruhe (Hyperaktivität), eine Affektlabilität infolge einer Erhöhung der Adrenalinempfindlichkeit sowie Schweißausbrüche, Muskelschwäche und bei fortschreitender Dauer auch Herzmuskelschädigungen.
Klinische Diagnose und mögliche Ursachen
Bei der ärztlichen Diagnose wird zuerst die Art, der Beginn und Verlauf der Beschwerden aufgenommen. Danach schließen sich z.B. Fragen nach Medikamente, vorausgegangenen Schilddrüsenoperationen, Jodaufnahme sowie familiären Autoimmunkrankheiten bestimmter Organe an. Mit dem Abtasten wird die Schilddrüse auf Veränderungen der Größe, Lage und Form hin untersucht. Mit einer Ultraschalldiagnostik lassen sich knotige Veränderungen erfassen. Mittels Szintigraphie (radioaktive Jodisotope) wird der Funktionszustand der Schildrüse festgestellt. An eine Gewebeuntersuchung kann sich, bei einem Verdacht auf Bösartigkeit, eine Feinnadelpunktion anschließen. Mit einer Untersuchung des Blutes im Labor lässt sich anhand der Schilddrüsenhormone und immunologischer Methoden eine Schilddrüsenüberfunktion feststellen. Mögliche Ursachen der Hyperthyreose können Morbus Basedow, Autoimmunerkankungen, Jodmangel oder Adenome (Gewebe, das sich bösartig entwickeln kann) sein.
Therapie - Individuell auf Ursache und menschlichen Organismus abgestimmt
Je nach Krankheitsursache wird eine medikamentöse, operative oder Radio-Therapie durchgeführt. Bei der medikamentösen Therapie werden Thyreostatika eingenommen, Substanzen die die Bildung und Ausschüttung der Schilddrüsenhormone sowie den Jodeinbau in die Hormonvorstufen hemmen. Eine Operation oder eine Radiotherapie werden erst durchgeführt, wenn die Wirkung über längere Zeit nicht ausreichend einsetzt. Die Behandlung mit Thyreostatika wirkt bei den Patienten unterschiedlich, sie wird aber nicht länger als zwei Jahre durchgeführt.
Die Anzeichen der Schilddrüsenüberfunktion bei Kindern
Bereits bei Neugeborenen lässt sich über das TSH-Screening (thyreodea-stimulierendes Hormon) eine Überfunktion feststellen. Bei einer angeborenen TSH ist das Schilddrüsenhormon signifikant erhöht. Da gleich nach dem Feststellen einer Überproduktion mit der Behandlung begonnen werden kann, wird der früher auftretende „Kretinismus“ verhindert. In der Pubertät kann der Bedarf an Jod stark erhöht sein. Lässt er sich nicht mit der Verwendung von Jodsalz decken, können Jodid-Tabletten hilfreich sein. Dadurch kann vermieden werden, dass die Schilddrüse zur Kompensation des Jodmangels vermehrt Jod-produzierende Zellen bildet, woraus dann eine Schilddrüsenüberfunktion resultieren kann.
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